Am Wochenende Florenz! Und das mit dem perfekten Museumsbesuch
Es ist ja nicht so, dass wir noch nie in Florenz gewesen wären. Oder doch? Vielleicht warst du da, bist aber etwas unerfüllt wieder nach Hause gefahren: Stundenlanges Anstehen in sengender Hitze, gefühlt kilometerlange Schlangen haben dich dann doch davon abgehalten die Uffizien zu besuchen oder eine der weltberühmten Kirchen.
Leider kann ich das Problem nicht aus der Welt räumen. Alle Welt scheint ihr Glück in Florenz zu suchen. Natürlich siehst du auch viel, wenn du in keiner Kirche oder keinem Museum warst. Wer durch die Gassen um den Dom, Or San Michele oder dem Palazzo Vecchio gegangen ist, hat doch schon einiges an hervorragender Kunst gesehen.
Doch wir sind keine Touristinnen, wie sind Kunstreisende!
Wie also vorbereiten auf die Stadt zu reisen, die sich Hauptstadt der Renaissance nennen darf und was schaue ich mir dort an, wo eigentlich jeder Stein von kultureller Bedeutung ist? Als erstes setzt du dich also vor deinen Computer, noch zu Hause, und schreibst vermutlich folgende Begriffe in die Maske: „Florenz Kunst Tipps“ oder „Florenz Museen Empfehlung“.
Wenn ich das in meine KI eingebe, spuckt sie gleich sechs Museen aus, die man un-be-dingt gesehen haben muss. Florenz hat insgesamt 28 Museen und unzählige Kirchen und Klöster. Natürlich kann die KI das eingrenzen, doch sie ist eine Maschine.
Was du jetzt bekommst, ist die von mir persönlich kuratierte Auswahl an Kunsthotspots in der Renaissancestadt am Arno für ein Wochenende. Anreise ist am Freitagnachmittag, die Abreise ist für Sonntagnachmittag geplant.
Bevor ich dir meinen Kunstreisevorschlag präsentiere, muss ich voraus schicken, dass ich keine Reiseplanerin bin und damit auch keine Erfahrung habe. Von mir bekommst du das Sightseeing.
Das ist der Ausflug, wie ich ihn machen würde.
Wenn die Reise nach Florenz nicht allzu anstrengend war oder du nicht schon ein besonderes Restaurant für das erste Dinner besuchen möchtest, dann empfehle ich dir, gleich in den Bus zu steigen, in Richtung Fiesole. Nur 9 km von Florenz entfernt (20 Fahrminuten) landest du in einem kleinen Dörfchen auf einer Anhöhe, wohin auch schon die Medici vor der Sommerhitze flüchteten. Von hier aus hast du den schönsten Ausblick auf Florenz. Nimm den Fussweg zum Kloster S. Francesco. Der Weg ist eng und steil, doch kurz vor dem Kloster biegt er links weg zu einer Aussichtsterrasse, von wo aus dir die Stadt zu Füssen liegt.
Mir scheint es immer sehr wichtig zu begreifen, wie denn die Stadt heute ist oder aussieht, deren Vergangenheit ich sehen und verstehen will. Du kannst übrigens hier auch eine nette Osteria fürs Abendessen finden und anschliessend für einen Spaziergang durch das Zentrum der atemberaubenden Altstadt von Florenz rechtzeitig zurück kehren.
Samstag ist dein Tag der Uffizien
Den ganzen Samstag würde ich für den Besuch in den Uffizien reservieren. Das klingt ein bisschen nerdig, ich weiss, aber so schlimm ist das nicht. Lass mich erklären, wie so ein Tag aussehen könnte. Das wichtigste ist, dass du dir vorab online die Tickets reservierst. Je nachdem kann davon sogar der Zeitpunkt deiner Reise abhängen, denn die Uffizien sind oftmals so voll, dass man darin nicht umfallen kann. Das hat mir übrigens eine Kursteilnehmerin gerade erst bestätigt, die diesen Frühling in den Uffizien war.
Instagram, überhaupt Social Media, macht uns Kunstreisenden derzeit das Leben schwer. Könnten wir alle Leute unsichtbar machen, die nur dort sind, weil alle dort sind, fänden wir auf unseren Ausflügen sogar Erholung. Das wird sich irgendwann wieder legen, doch es ist, wie es ist. Umso wichtiger ist es, sich gut zu überlegen, was man wann anschauen möchte und sich den Weg dorthin mit Reservationen und geschicktem Timing freizuhalten.
Die Uffizien, das berühmte Museum in Florenz, wurde ursprünglich als Verwaltungsbau für die Familie der Medici gebaut. Es beherbergte aber von Anfang an ihre Kunstsammlung, die bis heute den Grundstock der Sammlungen bildet. Das Gebäude selbst ist schon einen Blick wert. Im Jahr 1540 bis 60 wurde es von den Baumeistern Giorgio Vasari, Bernardo Buontalenti und Alfonso Parigi d. J. im schönsten Stil des Manierismus erbaut. Das ist ein Stil mit viel Humor, der eigentlich nur auf eines abzielte, nämlich die strengen Regeln der Renaissance zu brechen. Das augenfälligste Beispiel finde ich, ist das grosse Tor, das die beiden langen Gebäudeflügel an einer Seite verbindet. Wer mit seiner Kutsche also voll Freude und Zuversicht durch die Flucht der Gebäudeflügel rauscht, um das repräsentative Tor zu passieren, landet nicht auf einem grossen Vorplatz sondern im Arno. Ein so grosses Tor macht für die schmale Flusspromenade, auf die es führt, einfach keinen Sinn.
Einmal in den Uffizien angekommen (Verpasse auf keinen Fall den Timeslot deiner Onlinetickets!) kann ich dir nicht mehr raten. Am besten wäre es, wenn du dich zu Hause, zum Beispiel mithilfe meines kostenlosen KunstKompasses, bereits ein wenig vorbereitet hast, damit du nicht vom Besucherstrom durch die Ausstellung gestossen wirst, ohne wirklich etwas gesehen zu haben.
Du wirst in den Uffizien Sandro Botticelli (1445-1510), Michelangelo (1475-1564), Caravaggio (1571-1610) oder Leonardo da Vinci (1452-1519) antreffen, von diesen Künstlern einige ihrer grössten Meisterwerke. Doch das ist nur die Kirsche auf der Torte, allein die „Torte“ serviert dir unfassbar viele Meisterwerke der Kunstgeschichte. Schliesslich gehören die Uffizien zu den grössten und bedeutendsten kunsthistorischen Museen der Welt.
Nimm dir also ein wenig Zeit, schreibe dir drei Werke heraus, die du unbedingt gesehen haben möchtest.
Im Museum holst du Seite zwei des Kunstkompasses hervor, damit du weisst, welche Werke du dir vorgenommen hast. Dann notierst du dir im Kopf oder direkt in den KunstKompass, was du auf dem jeweiligen Werk siehst und welche Geschichte es dir erzählt. Dabei unterstützen dich die sechs Fragen auf der ersten Seite. Mach ein Foto davon und auch von der Informationstafel dazu. Wenn du das erledigt hast, kannst du genüsslich durch die Galerie schlendern und dir ansehen, was dich anspricht.
Doch wie immer rate ich dir, auf keinen Fall alles der Reihe nach durchzugehen. Gut, das ist an so einem belebten Ort sowieso nicht möglich, aber ich möchte auch nicht, dass du es versuchst. In den Uffizien ist fast jedes Werk ein Meisterwerk. Es spielt daher gar keine so grosse Rolle, was du dir aussuchst. Du kannst nichts falsch machen, ausser dass du dir zu viel vornimmst und zum Schluss gar nicht mehr weisst, was du gesehen hast.
Versuche das Museum nicht nur als Ausstellungsgebäude zu sehen, sondern auch als das, wozu es ursprünglich gedacht war, als Family Office einer der reichsten und mächtigsten Familien Italiens und Europas, die Florenz zu diesem kulturellen Zentrum gemacht haben, das es immer noch ist.
Du verlässt die Uffizien also irgendwann um die Mittagszeit vermutlich und suchst dir einen ruhigen Ort, um ein schönes Panino zu essen oder nach der ganzen Aufregung in Ruhe was Warmes zu geniessen. Das solltest du auf jeden Fall tun, schon deinem Hirn zu liebe.
Der Museumsbesuch ist damit noch nicht zu Ende.
Am besten lässt du auf einem Spaziergang durch die Stadt alles noch einmal Revue passieren und nutzt dafür Seite drei von deinem KunstKompass. Warte nicht zu lange, damit du noch die frischen Eindrücke notieren kannst.
Es ist jetzt früher Nachmittag, aber ich möchte dir nicht noch ein Museum zumuten. Auf deinem Weg durch die Stadt solltest du aber unbedingt noch einmal das Ensemble von Dom, Campanile und Baptisterium würdigen. Die Musterung und Ausstrahlung der Fassade und die Harmonie dieser drei Gebäude sind unvergesslich.
Den Glockenturm, der Campanile, hat Giotto (1267 od. 76 – 1337) geschaffen. Seine grösste Leistung schaffte Giotto in der Malerei. Er war derjenige, der als Erster zwischenmenschliche Gefühle malte. Für ihn waren Menschen nicht mehr nur Instrumente und Zeugen einer Botschaft, sondern mitfühlende Wesen, die mit ihren menschlichen Reaktionen eine Erzählung erst möglich machten.
Die Kuppel des Domes haben wir Filippo Brunelleschi (1377-1446) zu verdanken. Er ist derjenige Künstler, dem man die Erfindung der Zentralperspektive zuschreibt. Brunelleschi hat die zeichnerischen Regeln entdeckt, die es uns erlauben, einen Raum in der richtigen Perspektive darzustellen.
Schau dir unbedingt auch die Bronzetüren des Baptisteriums an, morgen kommst du darauf noch einmal zurück.
Du wachst zum zweiten Mal in Florenz auf und es ist bereits dein Abreisetag. Für heute schlage ich den Besuch eines Museums vor, das hauptsächlich Skulpturen zeigt, den Palazzo del Bargello. Was die Uffizien für die Malerei sind, ist der Bargello für die Skulptur. Gut, die Uffizien sind viel umfangreicher, doch im Bargello findest du die Skulpturen, mit deren Gestaltung die Kunstgeschichte aus dem Mittelalter gefunden hat. Die scheinbar perfekten Balanceregeln der Renaissance sieht man hier für nichtig erklärt und die Leidenschaft beherrschte die Darstellung, wie sie die barocke Kunst liebte.
Ausserdem siehst du hier die sogenannten Konkurrenzreliefs, die Filippo Brunelleschi und Lorenzo Ghiberti im Wettstreit um den Auftrag für die Gestaltung der Baptisteriumstüren geschaffen haben. Ghiberti gewann und durfte daraufhin die Reliefs der Osttür des Baptisteriums gestalten, auch „Paradiestür“ genannt.
Damit bin ich am Ende meiner Empfehlungen für einen Wochenendbesuch in Florenz. Bist du mit dem Auto angereist und warst bei der Ankunft vielleicht müde von der langen Reise, dann empfehle ich dir auf dem Heimweg, den kurzen Schlenker nach Fiesole zu machen. Mit dem Blick auf Florenz, die Blühende, kannst du dich von dieser Stadt mit ihren unzähligen unglaublich schönen Kunstwerken gebührend verabschieden.
Ich wünsche dir eine schöne Reise! Es würde mich sehr freuen, wenn du mir erzählst, wie du mit diesem Vorschlag, den Besuch erlebt hast.
Zeitplan
Freitag: 15:00 Check-in im Hotel
2 Möglichkeiten: Ankommen & Altstadtspaziergang oder Fahrt nach Fiesole
Samstag: 10:00 Uffizien
Sonntag: 10:00 Bargello und Heimfahrt (evtl. jetzt noch Abstecher nach Fiesole)