Museumsbesuch ganz entspannt
Wie du nie wieder das Gefühl hast, die Hälfte zu verpassen
Zugegeben, ein ausführlicher Besuch in einem grossen Museum kann ganz schön anstrengen sein. Doch es gibt kaum ein kulturelles Angebot, nach dem man sich erfüllter fühlt als nach dem Museum.
Warum ist das so? Das Schöne und das Anstrengende? Irgendwo ist das logisch. Die guten Museen sind meist riesige Tempel. Du legst gefühlt, und oft auch in Wahrheit, hunderte Meter zurück, noch bevor du die ersten Stücke gesehen hast. Wenn ich da nur an den Louvre denke! Es ist weit von der Glaspyramide zum Foyer im Untergeschoss. Dann entscheidest du dich für einen Flügel, sagen wir einmal nicht den Mona Lisa-Flügel. Du gehst zur Treppe, und das ist im Louvre eine grosse, repräsentative Treppe, diese hochsteigen und dann fängt die Reise eigentlich erst an. Dasselbe gilt für die Uffizien in Florenz, das Rijksmuseum in Amsterdam usw. usf.
Sieben Kilometer Wegstrecke
Es ist ja auch keine Überraschung. Diese Museen beherbergen hunderttausende von Objekten und sie zeigen zigtausende in ihren Dauerausstellungen. Gut, wenn das steinzeitliche Pfeilspitzen sind, dann ist der Platzbedarf überschaubar. Doch wir sprechen von Museumspalästen wie dem Kunsthistorischen Museum in Wien. Die Gemälde haben Seitenlängen von bis zu zehn Metern. Das zumindest gilt für das grösste Gemälde im Louvre, die Hochzeit zu Kanaa von Veronese. Dafür braucht es Wände, Säle.
Ein weiterer Punkt, der zu Buche schlägt, ist dass du in den meisten Museen auf Steinböden gehst. In den Vatikanischen Museen können das bis zu sieben Kilometer sein! Hast du also die dünnen Sandalen an, wird es schnell unangenehm und du sehnst dich nach einem Waldspaziergang. Das Bild vom Wald passt hier sehr gut, denn schon bald wirst du den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen.
Bist du also bis in die Ausstellung gekommen, bist du noch nicht am Ziel. Was solltest du dir ansehen? Wie lange müsstest du im Idealfall vor einem Kunstwerk stehen bleiben? Darfst du eine Auswahl treffen und nur einige Bilder ansehen? Und wenn ja, wie auswählen bzw. was lasse ich weg? Wenn alles schlecht läuft, dann fühlst du dich wie in einem Pflichtprogramm und möchtest alles eigentlich nur noch abhaken und gehen, du hast da nämlich draussen hinter dem Louvre rechts ein nettes kleines Bistro gesehen, die ganz bestimmt einen wunderbaren gut gekühlten Roséwein servieren…
Doch dafür hast du die Reise nicht geplant, nicht nur.
Auf dem Gipfel angekommen
Damit in Zukunft das Schöne überwiegt, helfe ich dir gerne mit ein paar Museumsbesuch Tipps weiter.
Du wirst nicht überrascht sein, wenn ich dir gleich am Anfang rate: Überlege dir gut, welche Schuhe du tragen wirst. Das ist eine Binsenweisheit, denn bei jedem Stadtausflug muss das die erste Überlegung sein. Doch für einen Museumsbesuch wird dieser Punkt oft unterschätzt. Dabei ist es vermutlich ein heisser Tag. Museumsbesuche machen wir gerne im Sommer. Erstens haben wir Zeit und zweitens sind die Häuser immer wunderbar klimatisiert. Deine Füsse sind also schon bei Ankunft strapaziert, haben das lange Stehen in der Warteschlange hinter sich, sind durchs Museum zum Ausstellungssaal gelaufen, wo sie dich, vor einem Bild stehend und staunend, tragen werden. Also gut gepolsterte, bequeme Schuhe tragen.
Aber nun zur Kunst! Denn die Kunst ist die ganze Mühe wert. Für die Kunstbetrachtung hast du zwei Möglichkeiten:
Einerseits bist du jetzt da, sozusagen auf dem Gipfel angekommen. Geniesse die Aussicht! Es ist angenehm kühl im Museum. Schlendere durch die Säle, bleibe mal hier, mal dort stehen, überall wo dich etwas anspricht. Geniesse die Blicke in andere Welten, verliere dich darin.
Andererseits kannst du jetzt an dein Vorhaben gehen. Du hast vielleicht im Voraus schon drei Stücke ausgesucht, die du auf der Website des Museums gesehen hast, und die peilst du jetzt an. Das ist wie eine Schnitzeljagd. Du kannst den Museumsplan lesen, die Suche nach den Saalüberschriften eingrenzen (was kannst du bereits richtig zuordnen?) oder auch die Aufsicht fragen. Wenn du die Werke gefunden hast, dann kannst du den KunstKompass zücken und auf Seite Zwei prüfen, ob sich deine Erwartungen erfüllen. Du hast dir dort eine kleine Notiz gemacht.
Auf Seite Zwei hast du Platz, um zu notieren, was du siehst (dafür brauchst du die Checkliste auf Seite Eins). Ein Beispiel: Du stehst vor den Seerosen von Claude Monet. Wenn ich sie ansehe, fühle ich immer Erfrischung. Der Blick wandert von einer Blüte zur andern. Die Blüten heben sich süss von der oft sehr unspektakulär gehaltenen Wasserfläche des Teiches ab. Früher sah ich mich auf einer Bank am Ufer sitzend und gedankenverloren das Farbenspiel geniessend. Mittlerweile sehe ich dort den fast blinden und uralten Claude Monet sitzen der, zufrieden mit seiner Tagesaufgabe, etwas rosa Ölfarbe auf seine Farbpalette quetscht. Sorry, hier habe ich auf Punkt 6 der Checkliste vorgegriffen.
Orientierung gefragt
Von Möglichkeit drei, alles der Reihe nach ansehen, Stück für Stück durchgehen, rate ich dringend ab! Der Grund ist Reizüberflutung. Es gibt einfach zu viel zu sehen und weil alles irgendwie wichtig ist (Museum, Jahrhunderte, berühmte Künstler, Wissenschaft, Forschung), kann unser Hirn das nicht ausblenden. Auf Seite Drei vom KunstKompass findest du den Abschnitt „Was bleibt“. Für diesen Teil gehen wir ins Museumscafé. Hole dir was Gutes, falte den KunstKompass wieder auseinander und notiere dir alles, was du zu diesem oder jenem Werk noch näher wissen möchtest, worauf du beim nächsten Besuch achten wirst und ob du dieses Werk überhaupt ein zweites Mal sehen willst.
Es ist wichtig, mit diesen Überlegungen nicht zu lange zu warten. Deine Eindrücke sollten noch frisch sein. Trotzdem hilft die Pause im Café, dass du dich nicht verpflichtet fühlst, alles noch einmal durchzugehen.
Aber natürlich haben wir viel vor, daher gibt es auch noch ein paar Linien, die du auf dem Weg nach Hause ausfüllen kannst: Welche Ideen hast du für einen nächsten Besuch? Wo soll die Reise hingehen und warum? Du solltest immer, deinen Museumsbesuch vorbereiten. Das ist wenig Aufwand und hilft dir sehr, dich nicht zu verzetteln und das meiste aus einem Museumstag mitzunehmen.
Lade dir also gleich den kostenlosen KunstKompass herunter, drucke ihn aus und es kann losgehen!