Heilige Drei Könige: Wahrheit, Lüge oder “alternative Fakten”?

Heilige Drei Könige ist der Feiertag von Caspar, Melchior und Balthasar, die sich aus dem Orient aufgemacht haben, um einem Stern zu folgen. Ein Himmelsschauspiel, das sie so in seinen Bann zog, dass die drei Männer sich sicher waren, es zeigt den Weg zu etwas Grossem.

Um zu sehen, wo der Stern sie hinführt, reisten sie durch die halbe, damals bekannte, Welt.

Heute weiss man weder, ob die drei Männer tatsächlich Könige waren oder eher Magier, also Zauberer. Vielleicht waren es nur weise Männer, die den Lauf der Welt beobachteten, so ähnlich wie Zukunftsforscher. In der Bibel kommen sie nur in einem Evangelium vor, bei Matthäus 2,1-12. Die deutsche Übersetzung nennt sie „Sterndeuter“.

Historisch weiss man nicht, ob es sie gegeben hat. Eine offizielle Heiligsprechung gab es nie. Nur den Stern kann man sicher als einen Kometen deuten, der zur Zeit der Geburt Jesus am Himmel gestanden hat.

 Ein Buch, das ich sehr gerne gelesen habe und das sich um dieses „Was wäre wenn?“ dreht, ist „Baudolino“, dass Umberto Eco geschrieben hat und 2001 auf Deutsch erschien (Carl Hanser Verlag). In diesem Buch geht es um einen sehr fantasievollen Geschichtenerzähler, der zufällig in Mailand die Körper der Heiligen Drei Könige findet und sie nach Köln bringt.

Die wichtigste Reliquie im Kölner Dom ist der goldene Schrein mit den Gebeinen der Heiligen Drei Könige. Neben der Dornenkrone Christi und dem Turiner Leichentuch eine der meist verehrten Reliquien der Christenheit.

Der Dreikönigenschrein wurde von Nikolaus von Verdun in den Jahren 1190 bis 1225 aus Gold und Silber geschaffen.

Er gilt als das grösste Reliquiar des Mittelalters (H 153 x L 220 x T 110 cm) von einem der besten Goldschmiede der Zeit.

Wie die Gebeine der Heiligen Drei Könige von Mailand nach Köln gebracht wurden, ist erforscht. Doch wessen Gebeine sich genau im Schrein befinden, bleibt unserem Glauben überlassen.

Umberto Ecos Baudolino erzählt seinem Freund Niketas, wie er in Mailand die Reliquien entdeckt hatte und was ihm in diesem Moment klar wurde:

„Auch ich dachte mir, dass eine Reliquie dann etwas taugt, wenn sie ihren Platz in einer wahren Geschichte findet. […] Eine Pforte ist nur eine Pforte, wenn sie einen Palast um sich hat, sonst wäre sie nur eine Öffnung, was sage ich, nicht einmal das, denn eine Leere ohne etwas Volles drumherum ist nicht mal eine Leere. So begriff ich damals, dass ich im Besitz einer Geschichte war, in der diese Magier etwas bedeuten konnten. […] Mir oblag es, diesen drei Leibern ein neues Bethlehem zu geben.“

Im Roman zieht Baudolino nun die Fäden, dass die Reliquien nach Köln gebracht werden. Das ist aber noch lange nicht das Ende seiner persönlichen Reise, die zum Schluss bis an die Ränder der Welt führt.

Hier also Buchempfehlung für alle, die ihr neues Lesejahr voller Geschichten und Philosophie, Phantastereien, Zweifeln und wahrgewordenen Märchen beginnen wollen. Es ist eine Reise, die man sich gönnen sollte. Diesmal nicht, um das Sehen zu üben, sondern die Vorstellungskraft zu trainieren und vor allem zu beherrschen.

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