Was ein muffiger Kleiderschrank mit einem meisterhaften Gemälde zu tun hat
Kennst du die Geschichte The Lion, the Witch and the Wardrobe, in Deutsch bekannt als “Der König von Narnia” von C.S. Lewis? Es ist das erste Buch der Chroniken von Narnia, die nach diesem und den weiteren Folgebüchern verfilmt wurden. Es geht mir um die eine Szene, als die Kinder sich in einem Kleiderschrank verstecken und versehentlich durch das Tor zu einer unglaublichen Fantasiewelt gehen.
Auf der anderen Seite werden sie ausgerechnet von einem Faun empfangen! Diese frechen Naturwesen aus der griechischen Mythologie, die halb Mensch, halb Ziegenbock sind und nichts als Flausen im Kopf haben. Müsste ich herleiten, von wo C.S. Lewis diese Idee hatte, dann würde ich sofort sagen, er hat im Museum ein Bild mit der Darstellung eines antiken Mythos gesehen! Vielleicht einer Legende von Pan, ein Faun, der eine grosse Rolle spielt in der antiken Mythologie.
Dieser Schlüsselmoment, der Durchgang durch einen dunklen, engen Kleiderschrank, um in einer phantastischen Welt herauszukommen, könnte nicht besser beschrieben werden. Wir tauchen aus unserem grauen, muffigen Alltag auf, an einem Ort, den wir uns nicht grossartiger hätten ausmalen können!
Ich denke, die nüchternste Person unter uns weiss, dass schon ein bisschen vor sich hin dösen reicht, um diese Welt zu finden. Dafür braucht es nicht mal Tiefschlaf.
Was ist es also anderes, das wir im Museum tun, wenn uns eine Darstellung packt, verführt? Wir sehen die gemalte Welt, vergessen die Welt um uns, fragen uns, was wird der Faun als nächstes tun? Kommt er aus dem Wäldchen hervor und wird sich zu erkennen geben? Oder hat er selbst am meisten Angst? Ist er gefährlich? Und zack - schubst dich ein anderer Besucher versehentlich, weil er ein Selfie für Insta machen möchte.
Und was fühlst du jetzt? Ist es nicht Sehnsucht, ein kleiner Schmerz, weil du gerne noch einmal in diese Zwischenwelt treten möchtest?
Kunsthistoriker sind keine Hypnosecoaches (Dieser Satz hört sich so absurd an, wie er ist!), aber sie können eines: Die Welt erklären. Sie können dir erklären, was du siehst, falls du ein bisschen Hilfe brauchst. Den Rest machst du selbst in einer ruhigen Minute.
Lass dich von den Alten Meistern in ihre meisterlich dargestellten Welten entführen, komm zurück und erzähle uns davon. Wir sehen uns dort!